Single Malt Whisky
Ein traditionelles Produkt aus moderner Produktion?!
Single Malt Whisky wird seit Jahrhunderten nach einem
alten, nahezu unveränderten Verfahren hergestellt. Falls der interessierte Leser die
Grundlagen der Single Malt Whisky Herstellung nachlesen möchte, so sei hier auf die
detaillierte Beschreibung des Herstellungsprozesses
verwiesen.
Dieser Artikel beschreibt die erfolgte Modernisierung des
Herstellungsprozesses von Single Malt Whisky über die vergangenen Jahrhunderte.
In den Anfängen der industriellen Produktion von Single Malt Whisky
ging es zunächst um Maßnahmen, die die gleichbleibende Qualität des Whiskys garantieren
helfen sollten. Anschließend begann man den Wirkungsgrad der Whisky-Erzeugung zu
erhöhen. Wie in allen technischen Prozessen legten dabei die Ingenieure besonderen Wert
auf das ausgewogene Verhältnis von erreichbarem Wirkungsgrad (Rohstoffeinsatz,
Energieverbrauch) zu den für die Verbesserungen entstehenden Kosten. Die Kosten der
Whisky Produktion lassen sich grob wie folgt benennen:
KW ~ KG / WM + KE / WE
+ KA + KL + KK
KW - Gesamtkosten der Whisky Produktion
KG - Gersteneinkaufspreis frei Brennerei
WM - Maischewirkungsgrad
KE - Energiekosten frei Brennerei
WE - Wirkungsgrad der Energieumsetzung
KA - Arbeitskosten
KL - Kosten der Whiskylagerung
KK - Kapitalkosten der Anlagegüter (Maschinen, Gebäude, ... )
In der Vergangenheit waren vor allem Gerste und Kohle Ziel der
Optimierungsbemühungen, da diese beiden Stoffe mit den höchsten Kosten verbunden waren.
Im Zuge dieser Anstrengungen wurde das heute in der Regel angewandte komplexe Maische
Verfahren entwickelt, was der vorhandenen Gerste den Zucker optimal entzieht. Auch der
Prozeß der Umwandlung von Stärke in Zucker konnte in Großmälzereien optimiert werden.
Auch der Energieverbrauch wurde in den vergangenen Jahrhunderten
deutlich reduziert. Geschlossene Mash Tuns waren der Anfang. Es folgten verbesserte
Heizsysteme unter Verwendung von Heißdampf statt direkter Kohlefeuerung. Auch die Energie
Rückgewinnung ist heute fester Bestandteil der Whisky Produktion. Wärmetauscher statt
einfacher Kühler entziehen einer Flüssigkeit die Wärme, um sie an der richtigen Stelle
dem Produktionsprozeß erneut zuzuführen. Verstärkte Isolation der heißen Rohrleitungen
und Behälter sorgen für Konservierung der teuren Energie.
Heute ist der Gersten- und
Energieeinsatz weitgehend optimal gelöst und stellt keinen Wettbewerbsvorteil gegenüber
anderen Brennereien mehr dar. Nachdem alle wesentlichen Optimierungspotentiale
ausgeschöpft waren, mußte man neue Wege wie den Dreischichtbetrieb beschreiten, um die
getätigten Investitionen in die Anlagen möglichst schnell zu amortisieren. Heute
arbeiten alle großen Brennereien rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr. Nur für 3 bis 6
Wochen im Jahr schließen die Brennereien für eine Wartungs- und Reparaturpause.
Was heute noch optimiert werden kann ist vorwiegend der Einsatz von
Arbeit und Kapital. Im Juni 1998 gab United Distillers den Abbau von hunderten Stellen in
der Verwaltung bekannt. Grund hierfür war die Fusion von Guinness und Grand Met, die zu
einer Vielzahl von redundanten Stellen in Verwaltung und Vertrieb führte. Aber auch in
der Produktion der verschiedenen Brennereien kam es zu einem erheblichen Personalabbau.
Viele der Brennereien haben durch
weitgehende Automation die Nachtschicht auf eine einzige Person reduzieren können. Diese
einzelne Person ist für das Mashing sowie die beiden Brennprozesse verantwortlich.
Maischen und Brennen begrenzen die Kapazität der Brennereien. Mash Tun und Brennblasen
sind die Engpaßmaschinen im Produktionsprozeß. Nichts liegt also näher, als diese
Engpaßmaschinen im Dreischichtbetrieb zu betreiben und so die Fixkosten des
Anlagevermögens (Maschinen, Gebäude) auf möglichst viele Liter Whisky zu verteilen.
Gär-, Maische- und Brennprozeß sind Chargenprozesse. D.h. es wird
immer eine bestimmte Menge Ausgangsmaterial auf einmal verarbeitet. Leider verschmutzen
Wash Backs, Mash Tun und Brennblasen relativ stark, so daß man nach jeder Charge reinigen
muß. Diese Reinigung ist arbeitsaufwendig, da mit Wasserdampf-Lanzen sämtliche
festgebrannten Stoffe von den Behälterwandungen entfernt werden müssen. Diese Reinigung
wird seit langen Jahren mit dem Einsatz von chemischen Reinigungssubstanzen durchgeführt.
Bei den Reinigungsarbeiten mußten immer wieder Mitarbeiter der Brennereien in die
Behälter steigen oder kriechen, um die am schlechtesten zu erreichenden Stellen auch
reinigen zu können.
Seit der Sommerpause in 1997 wurden Gärbottiche und
Brennblasen einiger Brennereien mit automatischen, zentralen Reinigungsanlagen
ausgestattet. Diese Sprühdüsen sind mit zentralen Vorratsbehältern für die
Reinigungslösung verbunden. Nach dem Durchlauf einer Charge muß nur für 5 Minuten die
Reinigungsflüssigkeit eingeschaltet werden, um den Behälter von den anhaftenden
Überresten der Charge zu befreien.
Diese zentrale Reinigung hat neben der Einsparung von
Arbeitskräften und der Schonung des Bedienpersonals noch einen weiteren Vorteil. Nach dem
Einsatz der Reinigungsflüssigkeit wird für etwa 20 Minuten mit klarem Wasser
nachgespült, so daß mit Sicherheit sämtliche Überreste der Reinigungsflüssigkeit in
die Auffangbehälter gespült wird. Die zentrale Zu- und Ableitung der
Reinigungsflüssigkeit sorgt dafür, daß die Reinigungsflüssigkeit zu 100% dem Recycling
zugeführt werden kann. An dieser Vorgehensweise kann man erneut sehen, daß eine
wirtschaftlich sinnvoller Einsatz von Resourcen auch zu einer umweltpolitisch sehr guten
Lösung führt.
Bis zum Jahr 2000 werden vermutlich mehr als 2/3 aller Single Malt
Brennereien mit automatischen Reinigungseinrichtungen ausgestattet sein.
Gärbottiche (Wash Backs)
wurden seit früher Zeit aus Oregon Pine (Kanadische Kiefer) hergestellt. Dieses Holz
konnte dem Angriff der Hefepilze am besten widerstehen. Leider mußten diese Gärbottiche
mit extremen Reinigungsmitteln vor dem Angriff der Pilze und vor Bakterien geschützt
werden. Die Einführung von Edelstahltanks, wie sie in der Bier- und
Grain-Whisky-Produktion seit langem eingeführt sind, brachte auch hier eine Entlastung
der Umwelt von einem Großteil der Reinigungssubstanzen. Das Argument, Whisky aus
hölzernen Wash Backs schmeckt besser als Whisky aus Edelstahl Gärbehältern ist aus
Sicht des Verfassers nicht zutreffend, da die geringe Verweildauer von 40 bis 70 Stunden
in den Wash Backs keinen Transfer von Geschmacksstoffen erlaubt. Zudem ist das Verhältnis
von Wash Back Oberfläche zu Volumen um den Faktor 25 kleiner als das Verhältnis der
Faßoberfläche zum Volumen bei der Lagerung des Whiskys. Multipliziert man dieses
Verhältnis mit der geringeren Zeit (50 Std : 12 Jahre = 100.000 Std.), so ergibt sich ein
Einfluß des hölzernen Wash Backs, der um mehr als den Faktor 50.000 geringer ausfällt,
als der des verwendeten Fasses.
Wenn wir zu uns selbst ehrlich sind, so gefallen uns
die altertümlichen hölzernen Wash Backs nur optisch besser, als ihre modernen
Nachfahren.
Aber ist in diesem Fall das Alte wirklich besser, bloß weil es
unsere Ahnen nicht besser konnten? - Ich glaube nicht.
Aber diese Frage muß jeder für sich selbst beantworten - oder auch
nicht. Wer weiß schon, welcher Whisky auf welche Weise hergestellt wird?
Besuchen Sie die Brennerei Ihrer Wahl in meiner Fotosammlung und entdecken Sie die Technik, die die Produktion
Ihres Whiskys möglich macht.
|